Offenes Blitzturnier

Da zurzeit bei vielen Schachspielern trotz der Hitze (vielleicht auch gerade deswegen) großes Interesse am Schachspielen besteht, richten wir diesen Freitag (10. August) um 19:45 ein Blitzturnier aus. Da die Geselligkeit im Vordergrund stehen soll gibt es kein Preisgeld und das Turnier ist offen für Nicht-Vereinsmitglieder.  Gespielt wird im Haus der Vereine im Round-Robin-System. Sprich jeder spielt gegen jeden. Wir freuen uns auf zahlreiches Erscheinen 🙂

 

Autor: Steffen Mages

Frauenbundesliga: spektakulärer Neuzugang

Schwäbisch Hall meldet für seine Mannschaft in der Frauenbundesliga eine spektakuläre Neuverpflichtung. Ab der kommenden Saison geht die russische Nummer 1 und aktuelle Weltranglistenvierte Kateryna Lagno als Gastspielerin für den Vizemeister ans Brett. Schon von 2010 bis 2012 spielte sie in Deutschland, und zwar in der Schachbundesliga für die Sportfreunde Katernberg. Sie ist aktuell ebenfalls in der 2. Männer-Bundesliga beim Bochumer Schachverein 02 gemeldet.

Kateryna Lagno ist seit 2007 GM und war 2002 mit 12 Jahren die jüngste Spielerin, die jemals den WGM-Titel erreichte. Unter anderem war sie 2010 Blitzschachweltmeisterin und 2014 Schnellschachmeisterin. Mit Russland gewann sie die Schacholympiade 2014 in Tromsö, nachdem sie schon 2006 die Schachplympiade mit der Ukraine gewonnen hatte.

Außerdem steht der Spielplan der kommenden Saison der Frauenbundesliga fest. Die letzten drei Runden werden wie in der vorletzten Saison als zentrale Endrunde in Berlin ausgetragen, in der letzten Runde treffen mit Baden-Baden und Schwäbisch Hall die dominierenden Mannschaften der letzten Jahre aufeinander. Die Saison beginnt am letzten Oktober-Wochenende gleich mit zwei “Knallerpaarungen”, in Hofheim trifft Baden-Baden auf Bad Königshofen und in Deizisau Schwäbisch Hall auf Hamburg.

Frauenbundesliga-Spielplan der Saison 2018/19

Autor: Thomas Marschner

SK Schwäbisch Hall will Jugend aufbauen

Der SK Schwäbisch Hall hat einen neue Führungsriege um den ehemaligen Bausparkassenvorstand Ehrhard Steffen. Er wirbt bei den Mitglieder um Vertrauen und will die Jugendarbeit aufbauen.

Selten hat der Begriff „Neuanfang“ besser gepasst. Nach jahrelangen internen Querelen hat eine neue Führungsriege um den ehemaligen Bausparkassen-Vorstand Ehrhard Steffen den Schachklub Schwäbisch Hall übernommen. Sie will dem Verein, der rund ein Drittel seiner Mitglieder verloren hat, neues Leben einhauchen. Die Losung lautet: „Vertrauen zurückgewinnen“.

Wenn selbst Mitglieder sagen, dass der Verein – der sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen ein Bundesliga-Team stellte – momentan am Boden liegt, dann ist es zwar einerseits ehrlich, andererseits außergewöhnlich. Doch der interne Streit führte zur Zerreißprobe. Zum einen gab es Befürworter des Frauenschachs, andere wollten das Männerschach finanziell deutlich unterstützen. Nur: Das Geld war knapp. Zudem wollte der ehemalige Vorstand um Michael Riedel ein Mitglied ausschließen. Er sah vereinsschädigendes Verhalten. Das Mitglied ging dagegen vor, so entschied laut Satzung eine außerordentliche Hauptversammlung. Auf dieser votierten die mehr als 40 Anwesenden, dass das Mitglied im Verein bleiben soll.

Neustart in der Bezirksliga

Diese Niederlage führte dazu, dass fast der gesamte Vorstand abdankte. Einige Vorstandsmitglieder traten aus dem Verein aus. So war eine erneute außerordentliche Hauptversammlung notwendig, in der Ehrhard Steffen zum neuen Vorsitzenden des SK gewählt wurde.

Steffen, der schon in den 1960er-Jahren Mitglied des SK war und damals in der vierten Mannschaft spielte, ist ein bekennender Unterstützer des SK-Frauenteams. „Es gab mehrere ernsthafte Versuche, Brücken zu bauen“, blickt er auf die Vergangenheit zurück. Doch es fruchtete nichts. Der Verein entzweite sich.

Nach dem Rückzug der alten Führungsriege gelte es nun, „den Verein wieder auf die Beine zu stellen“. Der Verein hat rund 30 Mitglieder und damit ein Drittel verloren. 16 davon waren die Profis des Männer-Bundesligateams. Die Zukunft des Frauenteams in der 1. Bundesliga ist dank Sponsoren und privaten Gönnern gesichert. In der kommenden Saison sollen die Frauen wieder um den deutschen Titel mitspielen. 2017 wurde der SK Hall deutscher Meister, in der abgelaufenen Runde wurde er Zweiter. Doch die Finanzlage des Vereins sei schwierig. In einem Schreiben an die Mitglieder heißt es, „dass wir finanziell praktisch bei Null beginnen“. Ehrhard Steffen macht deutlich, dass der neue Vorstand für einen Neuanfang steht, „auch kulturell“.

Wiederaufstieg ist Pflicht

Der alte Vorstand hat die erste Männermannschaft komplett abgemeldet, was der neue Vorstand zumindest als unglücklich empfindet. Denn so ist das zweite nun das neue erste Team. Allerdings ist die zweite Mannschaft in die Bezirksliga abgestiegen. „So schlimm war es seit 1957 nicht“, kommentiert Steffen. „So schnell wie möglich“ soll daher der Wiederaufstieg in die Landesliga gelingen. Zwei weitere Teams wurden gemeldet, eines weniger als in der vergangenen Runde. „Die vierte Mannschaft hat fast nie vollständig gespielt, auch die dritte hatte Besetzungsprobleme.“ Der interne Streit lähmte auch die Amateurteams.

Deshalb geht der SK mit seiner dritten Mannschaft eine Kooperation mit dem Schachverein Gaildorf ein und bildet in der A-Klasse eine Spielgemeinschaft.

Das Wichtigste aber für Steffen, und das macht er im persönlichen Gespräch sehr deutlich, sei der Aufbau der Jugendarbeit. De facto gab es diese zuletzt beim SK nicht. „Ohne Jugend ist der Verein nicht überlebensfähig“, so Steffen. So schnell wie möglich soll ein Konzept erarbeitet und dann auch umgesetzt werden.

Die ersten Rückmeldungen aus dem Mitgliederschreiben seien positiv. Mitglieder, die sich wegen des Streits zurückgezogen haben, wollen nun wieder für den SK spielen. Doch das, da sind sie sich beim neuen Vorstand sicher, kann nur der Anfang sein. Noch liege viel Arbeit vor dem SK.

Der Artikel von Hartmut Rufer erschien am 20. Juli 2018 auf swp.de.

Finale in Berlin als Schlusspunkt unter vier Jahre Erste Liga

Der SK Schwäbisch Hall zieht seine Mannschaft aus der SBL zurück. Frank Zeller, einer der Spieler, blickt auf die letzten Runden in Berlin zurück und erläutert den Rückzug aus seiner Sicht.

Von Frank Zeller

Zentrale Endrunde in Berlin vor toller Kulisse – für jedes Bundesligateam wohl der Höhepunkt der Saison, auch für Schwäbisch Hall. Zugleich bedeutete diese für den Südverein auch einen wehmütiger Abschied von der großen Bühne der höchsten Deutschen Liga: kurz vor der Schlussrunde annoncierte die Vereinsführung die Abmeldung der 1. Mannschaft.

Das kam überraschend, war indes hinsichtlich der Fairness der richtige Schritt, ging es doch für einige Teams in Berlin um den Klassenerhalt. Nun war klar, dass auch der 13. Tabellenplatz ausreichend für den Verbleib im Oberhaus sein würde. Die Haller Mannschaftsleitung setzte die Schachbundesliga e.V. sowie alle anderen Mannschaften von diesem wichtigen Schritt in Kenntnis.

Auf den einschlägigen Internetseiten wurde die Neuentwicklung allerdings erst nach Beendigung der drei Berliner Runden und dem Abschluss der Saison publik gemacht; bei Chessbase etwa kam die Nachricht noch gar nicht an – dort werden immer noch die Plätze 13 bis 16 als Absteiger gehandelt. Als Pressesprecher des Vereins wurde ich seitens der Vorstandschaft nicht gerade zu einem offiziellen Statement angehalten, und wenn, dann sollte es kurz und lapidar ausfallen mit dem Hinweis auf einen „Rückzug der Sponsoren“.

Vier Jahre mischte der Verein aus Nordwürttemberg in der Bundesliga mit und sorgte schon in ihrer ersten Saison als Nobody für Furore: Hall landete sogleich auf dem 4. Platz und hätte beinahe Dauermeister Baden-Baden geschlagen. Schwäbisch Hall machte Schlagzeilen, das Team schien unverbraucht und brachte frischen Wind in die Liga!

Dieser Auftakterfolg wurde in der zweiten und auch noch in der dritten Saison bestätigt. Dreimal Platz 4, das liest sich nicht schlecht. In der gerade beendeten Saison war Hall ebenfalls aller Abstiegssorgen ledig und siedelte sich im oberen Mittelfeld an. Die Vorstellungen waren nicht mehr ganz so imposant, auch war zu spüren, dass die Vereinsführung bereits auf Sparflamme kochte: Weltklassespieler wie Li Chao, der zuvor noch die Bundesliga rockte,  kamen nur sporadisch zum Einsatz. Vermehrt wurde auf die „regionalen“ Kräfte aus Deutschland, Tschechien und Frankreich gesetzt, die bereits seit Jahren zum Stamm des Teams gehörten und an den mehrfachen Aufstiegen in Folge beteiligt waren.

Dennoch kam die nun erfolgte drastische Reaktion überraschend. Hall wird sich aus der Bundesliga zurückziehen, die Mannschaft wird komplett abgemeldet, so dass die jetzige 2. Mannschaft die Rolle der Ersten übernehmen wird, und die ist eben aus der Landesliga abgestiegen! Also ein sportlicher Totalzusammenbruch. Der Verein steht plötzlich wieder da, wo er vor einem knappen Jahrzehnt stand.

Präsident Michael Riedel begründet den gravierenden Schritt mit dem Wegfall der Sponsoren. Das ist durchaus richtig, wenngleich nicht „die ganze Wahrheit“. Doch die ist, falls es sie überhaupt gibt, unmöglich auf einen Nenner zu bringen. Das Team war von Privatsponsoren abhängig. Mehrfache Versuche, Sponsoren aus der Wirtschaft langfristig an den Verein zu binden, scheiterten. Intern sorgte die Konkurrenz mit dem erfolgreichen Damenteam schon seit geraumer Zeit zu schwelenden Konflikten, die sich nicht mehr lösen ließen. Nun droht der Rücktritt der gesamten Vorstandschaft, der Verein wird einen kompletten Neuanfang starten müssen.

Georgios Souleidis machte den freiwilligen Rückzug in seinem Abschlussartikel über das Berlin-Wochenende publik. Er wies auch richtig auf die „Blockbindungen“ innerhalb des Vereins hin, die zu Verhärtungen führten, und verlinkte Statements zweier „Frauenbeauftragter“, Thomas Marschner und Mario Meinel. Das führt m.E. zu einer Verzerrung der Wahrnehmung, denn die Berichte der „Frauenpartei“ sind subjektiv eingefärbt. Spätestens dann fühlte ich mich in die Pflicht gerufen, einen Versuch des „Zurechtrückens“ zu unternehmen.

Auch ich kann mich nur um Objektivität bemühen, viele Interna blieben mir sicher verborgen, da ich nicht vor Ort lebe, und sie gehören auch nicht hierher. Letztlich haben sich beide Parteiungen bei dem seit nun schon längerer Zeit gärenden Konflikt mit Ruhm nicht gerade bekleckert. Wie bei einer zu Bruch gehenden Partnerschaft wurde ein „Rosenkrieg“ losgetreten. Es ist sehr bedauerlich, dass eine Erfolgsgeschichte zu solch einem Ende führt, bei dem die Gräben so tief sind, dass anscheinend keine Einigung mehr möglich ist.

Zu Beginn meines Engagements in Hall vor fünf Jahren herrschte noch begeisternde Aufbruchsstimmung, die Basis stand hinter dem Projekt. Nach den Heimspielen ging man geschlossen essen und feiern. Doch von Jahr zu Jahr wurde der Kreis kleiner, gab es Eigeninteressen und Splitterungen, und als keine Sponsoren gewonnen werden konnte, entbrannte der Streit um die Verteilung der Mittel.

Im letzten Jahr war der Krieg offen entbrannt. Das Ganze glich einer Farce, die das neutrale Vereinsmitglied nicht mehr nachvollziehen konnte. Und weil die irritierte Vereinsbasis nicht mehr hinter ihm stand, ist Vorstand Riedel, selbst einer der wichtigsten privaten Geldgeber, letztlich gescheitert beim Versuch, auf einer außerordentlichen Hauptversammlung eine Kampfabstimmung zu gewinnen.

Für den Vorstand wurde diese Entscheidung zum „Entweder-Oder“: entweder man ist für ihn und unterstützt seinen Kurs, oder man ist gegen ihn. Diese Hochstilisierung zu „Alles oder Nichts“ war fatal. Die Vereinsmitglieder verstanden nicht, dass die Vorstandschaft ihr Schicksal an diese Abstimmung hing. Die Basis wollte Versöhnung der Streithähne, doch das Kind war schon lange in den Brunnen gefallen.

Genug! Ich denke, dass (leider) viele Vereine immer wieder unter solchen Zwistigkeiten laborieren – es „menschelt“ halt allerorten, Hall ist somit keine Ausnahmeerscheinung.

Doch kommen wir zum Schach: hier möchte ich mich jedenfalls bei den Verantwortlichen des (Herren-!) Bundesligateams bedanken, die mir vier tolle Jahre Bundesliga mit vielen herausragenden Erlebnissen ermöglichten! Danke für Euer großes zeitliches wie finanzielles Engagement!

Großartig waren etwa der Sieg damals in Meißen gegen Solingen, dem amtierenden Meister. Oder das Heimspiel mit Karpow und anderen Stars zu Gast. Und nicht zu vergessen die beiden zentralen Endrunden in Berlin in einem fantastisches Ambiente im Hotel Maritim nahe des Sony-Centers …

 

Der kompletteAbschlussbericht der Schach-Bundesliga von Frank Zeller wurde auf der Webpräsenz der SBL am 5. Mai 2018 veröffentlicht.

Zentrale Endrunde der Bundesliga in Berlin

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“

(Von IM Frank Zeller)

Freitag, 27. April: es ist wieder soweit: die zentrale Endrunde der Bundesliga in Berlin steht kurz bevor. Morgen geht es für die meisten im Team auf große Fahrt, es lockt auch ein Blitzturnier der Extraklasse mit hohem Preisgeld.

Für Team Hall stehen die drei letzten Begegnungen der Saison auf dem Spielplan. Am Sonntag trifft Hall 1 dabei auf Solingen und kann dabei das Zünglein an der Waage in der Meisterschaftsentscheidung spielen, denn Solingen und Baden-Baden liegen gleichauf auf den Spitzenposition der Tabelle.

Am Montag dann steht die Begegnung mit Reisepartner Deizisau an, ebenfalls eine attraktive Paarung und eine große Herausforderung für Hall, das in diese ersten beiden Matches als Außenseiter gehen wird.

Es ist damit zu rechnen, dass Deizisau, das „Juniorteam“ von Baden-Baden und ebenfalls von Grenke-Leasing gesponsert, mit einem möglichst starken Team in Berlin antreten wird: denn auch Deizisau trifft noch auf Solingen, und Sven Noppes, Teamchef gleichermaßen in Baden-Baden wie in Deizisau, wird sicherlich der Konkurrenz um die Meisterschale noch einen Stolperstein in den Weg legen wollen.

Der Abschluss am 1. Mai sieht dann die Begegnung Hall – Aachen. Die Westdeutschen sind auch im Mittelfeld der Liga angesiedelt, wie für Hall geht es für sie um nicht mehr viel, freilich geht es immer auch um Ehre und Reputation! Eng wird es auch hier zugehen, und insgesamt gilt für diese spektakuläre BL-Abschluss-Party: „dabei sein ist alles!“

Hier erfahren Sie mehr über das große Wochenende

3. Mannschaft überrascht alle!

Die Sensation ist perfekt. Abstiegskandidat Hall 3 macht Neuenstadt-Kocher zum Meister in der Bezirksklasse.
Mit einem flauen Gefühl reiste die Dritte zum Aufstiegskandidaten HN-Biberach 1. Das Wetter war schlecht und einige Spieler waren von der Grippewelle geschwächt. Aber es kam irgendwie anders als gedacht. Der Gegner von Ulf Bischoff war vorbereitet und ließ dem Captain keine Chance zur Spielentfaltung. Marc Sans spielte eine solide Eröffnung, kam in Vorteil und konnte mit einer Springergabel sein Spiel gewinnen.
Mario Meinel, von der Grippe geschwächt, diktierte das Spiel und drückte seinen jugendlichen Spieler so richtig zusammen. Der Gegner konnte allerdings zur Verblüffung von Meinel immer das Spiel im Gleichgewicht halten und ein Unentschieden erkämpfen. Im Nachhinein stellte man fest das der Gegner 131 DWZ-Punkte besser war als Meinel.
Dann kam die Stunde der Senioren. Joachim Pulwer hatte Schachgöttin Caissa augf seiner Seite und gewann etwas glücklich. Waldemar Reifschneider und Wolfgang Schmalzried konnten ihre Gegner ebenfalls besiegen die zum Teil in der Jugendbundesliga Süd spielen.
Nur Siegried Wallisch musste zu guter Letzt die Waffen strecken. Durch diesen absolut unerwarteten Erfolg hat die Dritte einen großen Schritt zum Klassenerhalt gemacht.

BL-Rückblick: Vier Punkte in München und rasante Opferpartien der Haller

 

(von IM Frank Zeller)

Geplant war es schon, erhofft wurde es, aber dass es dann so glatt abgehen würde mit den beiden Auswärtssiegen gegen die Münchner Teams von Bayern und Zugzwang war doch höchst erfreulich. Und ein 6:2 über die „Wundertüte“ von Bayern, die sich auch imstande sah, Hall ein enges Match zu liefern, ist ein großartiges Resultat!

Hall 1 ist wieder da angekommen, wo es sich seit seinen Anfängen in der 1. Bundesliga – einer der besten Schachligen der Welt – stetig behauptet: im oberen Mittelfeld, direkt, wenngleich in gemessenem Abstand, hinter den Spitzenteams.

Auch in München setzte die Haller Teamleitung auf die zuletzt bewährte Formel: ein Weltklassespieler (diesmal Maxim Rodshtein), treue Tschechen, schlagkräftige Musketiere und Urgesteine aus der „Region“.

Zufrieden stellte nicht nur das für uns positive Ergebnis, sondern auch die Art der Partien: es wurde aktiv, farbenfroh nach vorne gespielt, die Haller boten in beiden Kämpfen reichlich Unterhaltung.

Wollen wir auch sogleich einsteigen in die spannendsten Szenen, zunächst aus dem samstäglichen Match gegen die Bayern.

Bereits aus der Eröffnung heraus konnte ich meinen Gegner unter Druck setzen, und ehe er es richtig registrierte, stand er bereits schlecht:

F. Zeller – M. Rafiee

nach 6.Se2!?

Ich wollte dieses in Vergessenheit geratene Gambit im Nimzoinder ausprobieren, und ahnte dabei, dass mein Gegner dafür nicht präpariert sein würde. So war es auch, er zog relativ schnell 6. …0-0?, um den Eindruck zu erwecken, sich noch auszukennen. Aber das kostet dem Schwarzen nach 7.a3! das Läuferpaar, oder er verliert, wie es in der Partie kam, nach 7. …Le7 8.e4! die Kontrolle über das wichtige Zentralfeld e4. In obiger Diagrammstellung muss Schwarz 6. …Lxg2 spielen, allein um nicht direkt in Nachteil zu geraten.

 

Die Partie entwickelte sich immer vorteilhafter für mich und ausgangs der Eröffnung stand ich bereits riesig. Mein größtes Problem bestand im weiteren eher darin, aus mehreren vielversprechenden Fortsetzungen eine zu wählen, was mich ordentlich Bedenkzeit kostete.

nach 17. …La6

So versuchte ich lange den „forcierten Gewinn“ nach 18.h5 (droht Sg6+ nebst Matt) Lg5 19.Se6 Dc6 zu finden, aber es war etwas kompliziert. Mein Versuch 20.Sxf8 Dxg2 (?) 21.Dxf5 (??) mit der Mattdrohung auf h7, 21. …Dxh1+ 22.Kd2 scheiterte daran, dass dies ein unmöglicher Zug war – der Lg5 verbietet mir das Feld!!

In der Variante gewinnt übrigens das schlichte 21.Tf1!, aber Schwarz kann besser 20. …Dxc4 spielen, wonach es nicht ganz klar wäre.

Es boten sich auch andere Züge an, wie Lb3/a2 oder erst Ld5, auch d5 oder Lxa6 bot klaren Vorteil. Letztlich entschied ich mich für das neutrale, aber solide 18.Tc1. Wenig später überraschte er mich mit 19. …Dh6, was dem Damentausch auswich, um Komplikationen zu schaffen. Doch letztlich führte dies dazu, dass ich seine Dame gewinnen konnte:

Nach 19. …Lg5:

23.Sg6+! hxg6 24.hxg6 Lxc1? Kam auch a tempo – zwar gewinnt Schwarz zwei Türme für die Dame, aber dann ist sein König hilflos dem Matt ausgeliefert. Nach 25.Lxc1 Dxh1+ 26.Lxh1 gab sich mein Gegner geschlagen, denn f4 nebst Dh2+ ist vernichtend.

 

Ähnlich schnell gewann Matthieu Cornette. Er stand bereits deutlich besser, als sein Gegner eine Taktik übersah:

M. Cornette – L. Johansson

Nach 17. …b6?

Das bestrafte unser Adlerauge Matthieu umgehend: 18.Lxh7+! Kf8 (…Kxh7 19.Dh5+ gabelt den Te8 auf) 19.Ld3 Mehrbauer, exponierter König – das ging nur noch ein paar Züge gut, wonach der Schwede in Münchner Diensten die Arbeit einstellte.

Mittlerweile erarbeitete sich auch Peter M. an Brett 4 Vorteile. Er gab im Grünfeld-Inder einen Bauern, das ist wohl so Usus, aber warum sein Gegner ihn sofort wieder zurückschenkte, habe ich nicht verstanden. Beide Parteien waren sehr generös mit den Bauern, aber plötzlich ging es doch ans Eingemachte und darum, sich ein günstiges Endspiel zu sichern. Und da zeigte sich Peter geistesgegenwärtiger:

M. Fedorovsky – P. Michalik

Nach 23.Te3:

23. …Lxb5! sprach für gute Urteilskraft. Schwarz lässt durch 24.Txe6 fxe6 den isolierten Doppelbauern zu, auch sollte der Läufer dem Springer überlegen sein – doch Weiß hat ein Problem: ihm fehlt ein Ventil! Deswegen ging nach 25.axb5 Ta4 26.Tc1 Sa5 27.Lg5 Kf7 28.c5 bxc5 ein Bauer perdue. Schließlich landete man in einem Turmendspiel, das Peter mit ausgezeichneter Technik zum Sieg führte.

Parallelen wiesen die Weißpartien von Maxim am 1. und Jean-Pierre am 5. Brett auf: in den heutzutage sehr populären spanisch-italienischen Stellungstypen verlegten beide ihre Kräfte Richtung Königsflügel und opferten auf h6 `rein:

Hier sieht Maxim (l) bereits das Unheil nahen…

M. Rodshtein – V. Dragnev

Nach 17. …c5

18.Lxh6!? und…

J.-P. Le Roux – P. Lindgren

Nach 15. …h6

21.Se6!! Ein schönes Hineinziehungsopfer, Weiß kommt zu f4-f5, befestigt das Ross auf e6, und Schwarz kann nicht …Se3 ziehen, weil Weiß dann zu Dh5 mit Mattangriff käme. Unser Mann baute seinen Vorteil weiter aus. Nur noch die Zeitnot hätte ihn stolpern lassen können – für einen Patzer ist es nie zu spät! – doch Jean-Pierre bewahrte Ruhe und Übersicht.

Damit war der Mannschaftssieg schon unter Dach und Fach, da auch noch zwei Remisen auf dem Guthaben standen. Mathias W. wurde als Schwarzer mit dem Gegner rasch handelseinig, abenteuerlicher dagegen das Remis von unserem Senior, Pavel Z., der zwischendurch völlig auf Bruch stand und zudem noch unter rasender Zeitnot litt – ihm fehlte einfach die Zeit, aufzugeben!

F. Unzicker – P. Zpevak

Nach 28. …Sxd6

Mehrqualität für Weiß, aber die latente Mattgefahr auf g2 macht es unangenehm für Weiß, und der sichtlich nervöse Unzicker fand hier nicht 29.Ld5!!, was der schwarzen Dame die 5. Reihe blockiert. Wichtig ist, dass Weiß hier nach …Sc4 30.Dg5! hat (29…Tf6 wird mit 30.Kh1 Tg6 31.Tg1 entschärft)

Nach 29.Le6? Sc4! 30.Lxc4 Dxe7 hatte Weiß den Vorteil eingebüßt und die Anspannung löste sich bald in einer Zugwiederholung auf:

31.Td1 h6 32.De3 Tf6 33.Lf1 Lxf1 34.Txf1 Df7 35.Kg2 Tg6+ 36.Kh1 Tf6 37.Kg2 Tg6+ 38.Kh1 Tf6 39.Kg2 Tg6+ 40.Kh1 Tf6 ½–½

Blick in den Turniersaal zu später Stunde: die Spitzenbretter mit Maxim (l) und Viktor (r) machen Überstunden

Zurück zur Partie am 1. Brett: Dragnev verteidigte sich, wie erwähnt, bravourös, und es war völlig unklar, was höher zu schätzen war: seine Mehrfigur oder Maxims Extrabauern, die zudem mit einem Doppelbauern entwertet waren. Eine dramatische Partie war da im Gange! Als Dragnev in extreme Zeitnot schlitterte, wollte es Maxim mit dem Brecheisen versuchen – und übertrieb das Risiko:

Rodshtein – Dragnev

Nach 34.Te1

34. …Ta6! Schaltet den Turm in die Verteidigung ein. Die Partie war am Kippen. Nach 35.Dg7+ Le7 36.f4 Df3 konnte Maxim noch die Bremse reinhauen, doch er entschied sich für ein Hasardspiel:

37.Df7? Lässt eine Reihe von Schachgeboten zu, was niemand verstand. 37.Dg2 oder g3 bot sich an, nach Damentausch sollte Weiß nicht verlieren, auch 37.Te3 sollte Dauerschach sichern.

Einige Züge später war klar, dass der weiße König merklich gefährdeter steht als der schwarze. Dragnev verschmähte gar das Dauerschach – und völlig zu Recht, er fand den Weg zum Matt:

Nach 48.Td2

48. …De4+! Nur dieses „Zwischenschach“ gewinnt, bei sofortigem Abtausch auf d2 hätte Schwarz nur Dauerschach. Probieren Sie`s aus!

Nun aber, nach 49.Kd1 Txd2+ 50.Kxd2 Lh6+! schaltete sich endlich die Mehrfigur ein und Weiß konnte dem Mattnetz nicht entrinnen. 0:1

Auch die letzte noch laufende Partie bot inhaltsreiche Stellungsbilder und zog sich weit über 6 Stunden hin. Eigentlich schien sie zwischendurch bereits gelaufen, doch der Schweizer Jungstar Noel Studer wehrte sich verbissen gegen unseren Viktor L., so dass dieser alle Kräfte aufbieten musste, um noch den vollen Punkt einzusacken.

N. Studer – V. Laznicka

Nach 19.f3

Das war aus einer Art holländischem Stonewall entstanden.

19. …Tf6!! Die weißen Figuren sind allesamt weit weg von ihrem König, man beachte die völlig deplatziert stehende Dame auf a3. Weiß kann den Springer kaum nehmen, nach 20.fxe4 fxe4 bleibt dem König die Flucht über die f-Linie verwehrt, während sich der Lc8 und der Ta8 bald in den Angriff einschalten werden.

Viktor in typischer Denkerpose

Beachtlich, dass Studer hier nicht verzweifelte, sondern mit 20.g4! eine Idee fand, das Spiel zu komplizieren. Er opferte in der Folge selbst, nämlich die Qualität, um den schwarzen Angriff zu besänftigen. Viktor versäumte es, die Damen auf dem Brett zu behalten, wonach die Partie einen bizarren Charakter einnahm.

Nach 27.e4

Lange Zeit kam die schwarze Mehrqualität nicht zur Geltung, die weißen Figuren spielen gut mit. Dennoch behielt Viktor den Überblick und konnte nach Erreichen der Zeitkontrolle auf ein gewonnenes Endspiel blicken. Scheinbar, denn Studer fand immer wieder einen Ausweg, das Spiel nahm studienartige Züge an, und letztlich war klar, dass die Entscheidung im Spiel mit Inkrement fallen würde – beide hatten irgendwann nur noch ihre 30 Sekunden, die sie für einen Zug bekamen, übrig. Zuweilen war der Bayer dem Remis sehr nahe, aber nach allerlei Wirrungen setzte sich Viktor im Turmendspiel mit Mehrbauern doch noch durch.

Endphase zwischen Studer und Laznicka. Schiedsrichter Ralph Alt und Viktors Freundin Eva halten noch durch

Sonntag: 5,5:2,5 Sieg gegen Zugzwang

Vergleichsweise ruhig entwickelten sich die Dinge in der zweiten Begegnung des Wochenendes. Wir durften gewarnt sein – hatte Zugzwang doch am Vortag die starke Deizisauer Truppe in die Knie gezwungen (mithilfe eines Selbstmattes von Alexander Graf!). Zugzwang weiß mit Kindermann, Hertneck und Zysk sehr erfahrene, schwer zu schlagende Recken in ihrem Team, dazu verteidigt Neugroßmeister Leon Mons unerschrocken das erstes Brett.

Bitter: Alexander Graf starrte noch lange auf seine Stellung und konnte es nicht fassen: er war matt!!

Tatsächlich ließen die Münchner an den beiden Spitzenbrettern nichts zu und neutralisierten ihre 150 bzw. fast 200 Punkte stärker einzuschätzenden Haller Gegner, so dass diese Partien im Remisschluss endeten.

Gutes Wochenende für Zugzwangs Spitzenbretter Mons und Kindermann (v.L)

Ein schnelles Remis wurde auch bei Pavel am 8. Brett vereinbart, und auch Zysk – Le Roux mündete ohne Aufreger in die frühe Punkteteilung.

Das musste unsere Teamleitung – nachdem zunächst Wilhelm und Mike verantwortlich waren, gesellte sich am Sonntag wieder Harry als Non-playing-Captain auf die Brücke – keineswegs beunruhigen, denn in den vier Partien, in denen noch gekämpft wurde, waren fast ausschließlich die Haller Spieler in der Initiative. Und nicht zum ersten Mal spielte Matthieu die spektakulärste Partie, die er mit einem Paukenschlag siegreich beendete.

Schon nach wenigen Zügen ging es bei ihm zur Sache, mit den schwarzen Steinen bot er bereits im 8. Zug den zweiten Bauern zum Opfer an – romantische Zeitalter lassen grüßen!

S. Bromberger – M. Cornette

Nach 8.Dg3

8. …Sc6! Lässt g7 einstehen, um möglichst schnell zu e6-e5 zu kommen. Entwicklungsvorsprung ist hier alles, und auch nach 9.Sf3 e5! ließ Matthieu nicht von seiner Route ab. Kenner wissen, dass dies seit einigen Jahren anerkannte Theorie ist, ich selbst hatte die Stellung mit Schwarz schon einige Male auf dem Brett. Schwarz hat ausgezeichnete Kompensation, weshalb die Weißen meistens schon vorher abweichen, vor allem mit 5.cxd5 statt 5.a3.

Wieso hängt nicht e5? Die Idee dahinter lautet 10.Sxe5 Da5+ 11.Ld2 Dxd2+! 12.Kxd2 Se4+ 13.

Ke1 Sxg3. Nun muss Weiß 14.Sxc6 spielen, was …Sxh1 erlaubt. Nach 15.Sxd4 entsteht ein schwer abzuschätzendes Endspiel, Schwarz bekommt den Eckspringer h1 nicht raus.

Bromberger, der sich schon viel Bedenkzeit nahm, ging einen anderen Weg mit 10.b4 e4 11.b5, wonach auch unser stets ausgezeichnet präparierter Franzose ganz tief in seinen Hirnrinden graben musste, um 11. …Sa5 zu erinnern bzw. sich durchringen zu können. Nach 12.Sd2

…hätte ich hier oder nachher …e3!? erwartet ,doch Matthieu bevorzugte 12. …0-0 13.Lb2 Te8 14.e3 d3 mit einem Pfahl im Fleische auf d3. Wahrscheinlich konnte Weiß nun seine Stellung geschickt konsolidieren, beginnend mit 15.Lc3! und Aussichten, den Mehrbauern zu bewahren. Doch dem Münchner gelang es nicht, die Geheimnisse der komplizierten und äußerst ungewöhnlichen Stellung zu entziffern. Bromberger verbrauchte mehr als 35 Minuten für die nächsten drei Züge, die allesamt schlecht waren. Hernach schlug der Blitz auf c4 ein und Weiß war verloren:

15.f3?! Lf5!? 16.0-0-0?! Lg6?! (Es ging bereits …Sxc4!) 17.h4? (Dd6! und Weiß ist wieder im Spiel)

Matthieu kniet sich in die Stellung hinein

17. …Sxc4!! 18.Sxc4 Dd5!

Eine bemerkenswerte Taktik. Weiß kann den Springer nicht retten, da bei 19.Sd2 Dxc5+ 20.Kb1 Dc2+ der Turm verloren geht. So aber fällt neben dem Springer auch noch c5, wonach der weiße König am Damenflügel ziemlich windig herumsteht. Es verblüfft von daher nicht, dass Bromberger wenige Züge später die Segel streichen musste.

Von diesem schlagkräftigen Vortrag beflügelt versuchten Peter, Mathias und ich unsere leichten Vorteile ins Endspiel zu transformieren und dort um den vollen Punkt zu kämpfen, ohne dabei jemals in die Nähe einer Verlustgefahr zu kommen. Den Mannschaftssieg hatte man gefühlt schon sicher.

Letztlich gelang es auch noch Zweien von den genannten Dreien den Sieg heimzufahren, während Ihr Autor sich nach 6,5 Stunden letztlich mit Remis zufriedengeben musste.

Peter M. gegen Gerald Hertneck. Im Hintergrund geht Matthieu gedanklich seine Bauernopfer durch.

Wie Peter gewann ist mir eigentlich unbegreiflich. Der gute Gerald H. hatte sicherlich eine Remisstellung im Endspiel Turm+Springer gegen Turm + Läufer erreicht, doch in den letzten Zügen vor der Zeitkontrolle leistete er sich ein, zwei Ungenauigkeiten und tauschte dann auch noch im 40. Zug den Turm, wonach Peter seinen Mehrbauern sicher zur Dame verwandelte.

Bei Mathias stand eine aktuelle Variante aus Caro-Kann zur Disposition. Die Theoriestellung mündete direkt aus der Eröffnung in ein Schwerfigurenendspiel, aber ein ungewöhnliches mit der interessanten Materialverteil Dame gegen zwei Türme:

Kurz vor Partiebeginn: Mathias geht nochmal seine Aufstellung durch.

M. Womacka – F. Hoffmeyer

(nach 19. …Txg2)

20.Dxe7 Txd2 21.Dxd8+! Kxd8 22.Th8+ Ke7 23.Txd2

23. c5 – wie ist diese Stellung einzuschätzen? Vermutlich ausgeglichen, Weiß steht noch auf Grundlinienmatt und d4 muss geschützt werden, doch sind die Türme auch nicht zu unterschätzen. Ich nahm an, dass die Partie im Dauerschach enden würde. Doch dann entblößte der Münchner einige Züge später seine Königsstellung:

Nach 29.cxd4

29. f6? Will den Bauern abtauschen, bevor der zur Schwäche mutieren könnte. Doch das exponiert seine Majestät, und Mathias konnte Schachgebote mit Angriff auf die neue Schwäche e6 verknüpfen. Schwarz bekam Probleme, und bald gesellten sich weitere Fehler hinzu.

Unser Mann schaffte es, e6 einzukassieren, ohne Dauerschach zuzulassen und die Stellung zu konsolidieren, als sein Gegner entnervt die Dame einstellte.

Zum Schluss noch ein paar Takte zu meiner Seeschlange: über 80 Züge ging das Ding, fast 60 Züge davon besaß ich ein vorteilhaftes Endspiel mit Turm und ungleichfarbigen Läufern. Doch gewonnen war es wahrscheinlich nur in einem Moment in der ersten Zeitnotphase, als sein Turm höchst unglücklich eingesperrt war. Und da waren beide Spieler bis auf ihre letzten Sekunden runter!

E. Gerigk – F. Zeller

nach 36.Kf2

Um Kf3 zu verhindern und auf Bg2 zu spielen zog ich 36. …Le4, was die Flucht des eingeschlossenen Turmes mit 37.Te5! erlaubte. Der Rechner zeigte mir hinterher die verblüffende Variante 36. …Tc2+ (huch! Treibt den weißen König an meinen Vorposten f4, übrigens ist 36. …Ke6! wohl noch besser, und 36. …f3!? ist ebenfalls tricky) 37.Kf3 Tc3+ (Huch! Jetzt opfert er auch noch meinen ganzen Stolz!) 38.Kxf4 Tc4+ 39.Kg3 (muss den Läufer decken) und nun 39. …Td4! (oder jeden anderen Abwartezug!)

Analysediagramm:

„Zieh, Gegner!“

DAS hätte eine Schlagzeile gegeben: Zeller bringt Zugzwang in Zugzwang!!! Hätte.

Tja, aber ich bin halt nicht Carlsen. Der hätte es gefunden. Zumindest hätte er in diesem Endspiel den Gegner so lange gequält und Probleme gestellt, bis der einen Fehler gemacht hätte.

Ich tat auch alles Mögliche, verpasste den Zug, ließ den Betreuerstab warten, hätte in der Phase, als wir beide nur noch vom Inkrement lebten, fast noch die Zeit überschritten… den Widerstand von Gerigk konnte ich dennoch nicht brechen.

Zufrieden konnten wir dennoch dem schönen Turniersaal im Kultursaal Milbertshofen „Lebewohl“ sagen, bei dem die Rahmenbedingungen sowie das Buffet für die Spieler wieder mal ausgezeichnet waren. Großes Lob an die Organisatoren!

Nach München kommt man immer wieder gern. Ich schätze mal, dass mindestens ein bayerisches Team die Klasse sportlich halten wird … und das andere vermutlich am „Grünen Tisch“…

Wilhelm (l) und Mike waren diesmal die Hauptverantwortlichen und freuten sich über den Erfolg