SK Schwäbisch Hall will Jugend aufbauen

Der SK Schwäbisch Hall hat einen neue Führungsriege um den ehemaligen Bausparkassenvorstand Ehrhard Steffen. Er wirbt bei den Mitglieder um Vertrauen und will die Jugendarbeit aufbauen.

Selten hat der Begriff „Neuanfang“ besser gepasst. Nach jahrelangen internen Querelen hat eine neue Führungsriege um den ehemaligen Bausparkassen-Vorstand Ehrhard Steffen den Schachklub Schwäbisch Hall übernommen. Sie will dem Verein, der rund ein Drittel seiner Mitglieder verloren hat, neues Leben einhauchen. Die Losung lautet: „Vertrauen zurückgewinnen“.

Wenn selbst Mitglieder sagen, dass der Verein – der sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen ein Bundesliga-Team stellte – momentan am Boden liegt, dann ist es zwar einerseits ehrlich, andererseits außergewöhnlich. Doch der interne Streit führte zur Zerreißprobe. Zum einen gab es Befürworter des Frauenschachs, andere wollten das Männerschach finanziell deutlich unterstützen. Nur: Das Geld war knapp. Zudem wollte der ehemalige Vorstand um Michael Riedel ein Mitglied ausschließen. Er sah vereinsschädigendes Verhalten. Das Mitglied ging dagegen vor, so entschied laut Satzung eine außerordentliche Hauptversammlung. Auf dieser votierten die mehr als 40 Anwesenden, dass das Mitglied im Verein bleiben soll.

Neustart in der Bezirksliga

Diese Niederlage führte dazu, dass fast der gesamte Vorstand abdankte. Einige Vorstandsmitglieder traten aus dem Verein aus. So war eine erneute außerordentliche Hauptversammlung notwendig, in der Ehrhard Steffen zum neuen Vorsitzenden des SK gewählt wurde.

Steffen, der schon in den 1960er-Jahren Mitglied des SK war und damals in der vierten Mannschaft spielte, ist ein bekennender Unterstützer des SK-Frauenteams. „Es gab mehrere ernsthafte Versuche, Brücken zu bauen“, blickt er auf die Vergangenheit zurück. Doch es fruchtete nichts. Der Verein entzweite sich.

Nach dem Rückzug der alten Führungsriege gelte es nun, „den Verein wieder auf die Beine zu stellen“. Der Verein hat rund 30 Mitglieder und damit ein Drittel verloren. 16 davon waren die Profis des Männer-Bundesligateams. Die Zukunft des Frauenteams in der 1. Bundesliga ist dank Sponsoren und privaten Gönnern gesichert. In der kommenden Saison sollen die Frauen wieder um den deutschen Titel mitspielen. 2017 wurde der SK Hall deutscher Meister, in der abgelaufenen Runde wurde er Zweiter. Doch die Finanzlage des Vereins sei schwierig. In einem Schreiben an die Mitglieder heißt es, „dass wir finanziell praktisch bei Null beginnen“. Ehrhard Steffen macht deutlich, dass der neue Vorstand für einen Neuanfang steht, „auch kulturell“.

Wiederaufstieg ist Pflicht

Der alte Vorstand hat die erste Männermannschaft komplett abgemeldet, was der neue Vorstand zumindest als unglücklich empfindet. Denn so ist das zweite nun das neue erste Team. Allerdings ist die zweite Mannschaft in die Bezirksliga abgestiegen. „So schlimm war es seit 1957 nicht“, kommentiert Steffen. „So schnell wie möglich“ soll daher der Wiederaufstieg in die Landesliga gelingen. Zwei weitere Teams wurden gemeldet, eines weniger als in der vergangenen Runde. „Die vierte Mannschaft hat fast nie vollständig gespielt, auch die dritte hatte Besetzungsprobleme.“ Der interne Streit lähmte auch die Amateurteams.

Deshalb geht der SK mit seiner dritten Mannschaft eine Kooperation mit dem Schachverein Gaildorf ein und bildet in der A-Klasse eine Spielgemeinschaft.

Das Wichtigste aber für Steffen, und das macht er im persönlichen Gespräch sehr deutlich, sei der Aufbau der Jugendarbeit. De facto gab es diese zuletzt beim SK nicht. „Ohne Jugend ist der Verein nicht überlebensfähig“, so Steffen. So schnell wie möglich soll ein Konzept erarbeitet und dann auch umgesetzt werden.

Die ersten Rückmeldungen aus dem Mitgliederschreiben seien positiv. Mitglieder, die sich wegen des Streits zurückgezogen haben, wollen nun wieder für den SK spielen. Doch das, da sind sie sich beim neuen Vorstand sicher, kann nur der Anfang sein. Noch liege viel Arbeit vor dem SK.

Der Artikel von Hartmut Rufer erschien am 20. Juli 2018 auf swp.de.

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